Synaxiosis
Eine Ethik
Willkommen
Ich bin Andi, für Rechtsanwalt von Beruf und Denker von Berufung - ob Mitdenkbar, Nachdenkbar, Vordenkber, Überdenker usw. überlasse ich Ihnen.
Ich stelle auf dieser Website eine Ethik vor, die ich Synaxiosis nenne. Es handelt sich um eine Annahme, die ich über "gutes Handeln" treffe und die auch ganz anders getroffen werden kann. Ein Autokrat etwa trifft andere ethischen Annahmen als ich.
Sie sagen mir vielleicht, was Sie darüber denken? Würde mich freuen!
Synaxiosis - meine Lebensannahmen
Eine Zusammenfassung
Synaxiosis ist eine Ethik der Mitwürde: Sie nimmt die Würde von Mitmensch und Mitnatur zum Ausgangspunkt und will ihr durch Seitenwechseln und Verständigen dienen. Sie verbindet damit eine Grundüberzeugung mit einer Haltung und einer Praxis.
Der Begriff ist eine Neubildung aus griechisch syn («mit», «gemeinsam») und axios («würdig», «wert»). Die Endung -sis bezeichnet eine Tätigkeit oder einen Vorgang; «Dienst» ist die ihr hier zugedachte ethische Bedeutung, keine wörtliche Übersetzung. Synaxiosis lässt sich somit als gemeinsames Würdigen verstehen.
Mein «credo et volo» – «Ich glaube und ich will» lautet (dhttps://www.credoetvolo.chd):
«Ich glaube an die Würde von Mitmensch und Mitnatur. Ich will dieser Würde dienen durch Verständigen und Seitenwechseln.»
Diese Grundentscheidung ist ein ethisches Bekenntnis. Sie lässt sich nicht allein aus Tatsachen ableiten. www.credoetvolo.ch
Seitenwechseln heisst, die eigene Sicht durch die Lage des anderen prüfen zu lassen: Was erlebt er? Was braucht er? Welche Folgen hat mein Handeln für ihn? Dabei genügt es nicht, die eigenen Wünsche auf andere zu übertragen. Der andere muss selbst zu Wort kommen und meiner Vorstellung widersprechen können. Wo dies nicht möglich ist – etwa bei Tieren oder zukünftigen Generationen –, müssen deren Bedürfnisse und Lebensbedingungen sorgfältig erschlossen und vertreten werden.
Verständigen bedeutet, gemeinsam nach tragfähigen Gründen und einer annehmbaren Regelung zu suchen. Dazu gehört die Einsicht, dass die eigenen Überzeugungen fehlbar sind. Seitenwechseln kann sowohl unsere Kenntnis der Tatsachen verbessern als auch unsere Wertungen prüfen; welche Handlung geboten ist, ergibt sich jedoch erst unter Hinzunahme ethischer Massstäbe. Einigung bleibt ein Ziel, darf aber weder erzwungen noch durch das Schweigen der Schwächeren vorgetäuscht werden.
Zur Synaxiosis gehört auch die Abwehr von Machtmissbrauch. Wer Würde achtet, muss ihre Verletzung nicht hinnehmen. Schutz kann Widerspruch, institutionelle Machtbegrenzung und wirksame, verhältnismässige Gegenwehr verlangen. Diese soll den Übergriff beenden und faire Gegenseitigkeit ermöglichen; sie darf die Erniedrigung des Angreifers nicht zum eigenen Ziel machen. Auch im Konflikt bleibt der Weg zurück zur Verständigung offen. Diesen Zusammenhang von Würdeschutz, begrenzter Gegenwehr und erneuter Verständigung betont auch die Synaxiosis-Charta auf https://www.credoetvolo.ch
🔵 syn-
mit, gemeinsam
🟤 axios
würdig, wert
🔴 -sis
Dienst
🟢 synaxiosis
«Ich glaube an die Würde von Mitmensch und Mitnatur. Ich will dieser Würde dienen durch Verständigen und Seitenwechseln.»
Ethik und Macht
Eine Ethik gilt, wenn anerkannt. Wer über die notwendigen Machmittel verfügt, z. B. Autokraten oder Straftäter, kann seine eigene Ethik festlegen und mit Gewalt durchsetzen. In der derzeitigen Weltpolitik verbreitet sich diese Machausübung - Recht des Stärkeren - laufend. Was tun?
Eine Ethik kann Gewalt nicht aus eigener Kraft aufhalten. Wer die Würde schützen will, muss auch die Mittel zu ihrem Schutz schaffen. Das ist für Synaxiosis eine entscheidende Bewährungsprobe: Verständigung setzt eine Bereitschaft voraus, die ein Machthaber verweigern kann.
Anerkennung verleiht einer Ethik gesellschaftliche Wirksamkeit; sie entscheidet nicht allein über deren moralische Berechtigung. Eine Ordnung kann weithin anerkannt und dennoch grausam sein. Umgekehrt verliert das Verbot der Folter seinen moralischen Anspruch nicht dadurch, dass ein Machthaber es missachtet. Diese Bewertung setzt freilich selbst einen ethischen Massstab voraus – hier die gleiche Achtung der Menschen. Eine voraussetzungslose Widerlegung desjenigen, der ausschliesslich seine Macht gelten lässt, besitzen wir nicht.
Auch kann ein Autokrat Gehorsam erzwingen, ohne Zustimmung zu gewinnen. Gewalt beweist, wer sich durchsetzt; sie beweist nicht, wer recht hat. Gerade deshalb sollten wir vom «Recht des Stärkeren» als Herrschaft der Überlegenheit sprechen: Das Wort «Recht» gibt ihr einen Anschein der Berechtigung, den sie erst begründen müsste.
Was folgt daraus für Synaxiosis? Verständigung anbieten, Schutz organisieren, Macht begrenzen.
Die Gefährdeten zuerst schützen. Das Gespräch mit einem Angreifer darf nicht mit fortgesetzter Schutzlosigkeit der Angegriffenen bezahlt werden. Schutzräume, unabhängige Gerichte, handlungsfähige Polizei und – gegen äussere Angriffe – glaubwürdige Verteidigung gehören zu den möglichen Voraussetzungen einer menschenwürdigen Verständigung.
Gemeinsam Gegenmacht bilden. Einzelne sind organisierter Willkür oft unterlegen. Bündnisse, demokratische Institutionen, freie Medien, Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Zusammenschlüsse können Abhängigkeiten vermindern und Übergriffe erschweren. Würde braucht Menschen und Einrichtungen, die für ihren Schutz einstehen können.
Die Anreize des Machthabers verändern. Wer moralischen Gründen nicht zugänglich ist, reagiert möglicherweise auf den Verlust von Einfluss, Mitteln oder Gefolgschaft. Gegenmassnahmen müssen daher danach beurteilt werden, ob sie Übergriffe tatsächlich erschweren, wen sie belasten und welche Eskalation sie auslösen könnten. Empörung allein ist noch keine wirksame Strategie.
Die eigene Gegenmacht binden. Würdeschutz rechtfertigt keine unbegrenzten Mittel. Gegenwehr braucht ein bestimmtes Schutzziel, überprüfbare Gründe, unabhängige Kontrolle und Grenzen. Sie soll das mildeste wirksame Mittel wählen. Sonst droht die Abwehr jene Willkür zu übernehmen, gegen die sie sich richtet.
Einen Ausweg offenhalten. Auch entschlossene Gegenwehr sollte erkennen lassen, unter welchen Bedingungen sie endet. Die Aussicht auf eine gesicherte Verständigung kann den Verzicht auf Gewalt erleichtern. Das bedeutet weder Straflosigkeit noch Versöhnung auf Kosten der Opfer.
Dabei ist Seitenwechseln auch gegenüber dem Gewalttäter sinnvoll: Seine Interessen, Ängste und Abhängigkeiten zu verstehen, hilft, sein Verhalten einzuschätzen und zu beeinflussen. Daraus folgt keine Billigung seiner Ziele. Zugleich darf er die Offenheit anderer nicht dazu nutzen können, sie leichter zu beherrschen.
Facit: Wir dienen der Würde durch Seitenwechseln und Verständigen. Wo Macht diese Wege versperrt, schützen wir die Bedrohten durch wirksame und begrenzte Gegenwehr. Auch dabei achten wir die Würde des Gegners und halten die Rückkehr zur Verständigung offen.
Eine verbleibende Schwierigkeit muss ausdrücklich benannt werden: Auch diese Grundsätze garantieren keinen Erfolg. Schutz kann scheitern, Gegenwehr kann eskalieren, Zurückhaltung kann Übergriffe begünstigen. Eine tragfähige Ethik muss solche Risiken vergleichen und ihre Entscheidungen berichtigen können. Die Fehlbarkeit des eigenen Urteils entbindet uns jedoch nicht davon, einer erkennbaren Verletzung der Würde entgegenzutreten.
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